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Liebe Besucher unserer Homepage, liebe Mitchristen,
In den "Sprüchen der Väter", einem Werk des antiken Judentums, kann man lesen: "Auf drei Dingen steht die Welt - auf der Tora, dem Gottesdienst und den Taten der Barmherzigkeit."
Tora: Die ersten fünf Bücher der Heiligen Schrift: Da stehen viele Gebote und Anordnungen für das Leben und das Verhalten. - Gottesdienst: Das Gebet, die Formen, Gott im Tempel anzubeten und die rechten Opfer darzubringen. - Taten der Barmherzigkeit: In der jüdisch-christlichen Religion ist es ganz entscheidend, seinen Glauben auch durch gute Taten, durch Nächstenliebe zu zeigen.
Eine große Versuchung ist es, den Kult, die Liturgie in den Vordergrund zu rücken, und zu denken: Das ist das alles Entscheidende: Dass ich alle Gebete spreche, dass ich die Gottesdienste mitfeiere an den Feiertagen und Festzeiten. Und das reicht dann auch.
Jesus warnt vor einer solchen Einstellung - wie schon die Propheten vor ihm. Und er zeigt dies sogar ganz praktisch: Er spricht die "Unreinen" an, die Außenseiter, die - scheinbar - nicht dazugehören. Und er sagt dieses tiefgehende Wort: "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer" (Mt 9,13).
Dieser Satz hat mich immer schon besonders bewegt. Denn er drückt aus: Jesus will nicht, dass wir nur etwas ableisten, dass jeder erkennen kann, wie eifrig wir sind in den liturgischen Feiern. - Ich brauche diese innere Grundhaltung: Der Nächste ist mir von Gott anvertraut. Er darf mir nicht lästig sein. Er ist da, hat einen Platz auf dieser Welt. Er soll einen Platz in meinem Herzen haben. Ihn soll ich sehen, in den Blick nehmen und ein Gefühl für ihn gewinnen.
Hoffentlich gelingt mir das: Mir persönlich und der Glaubensgemeinschaft der Christen, zu der ich gehöre. Jesus schreibt uns das ins Stammbuch: "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer."
Ihnen alles Gute, eine gesegnete Zeit!
Ihr
Dieter Zinecker, Pfarrer